Januar 2025 — 1. Auflage
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Die kybernetische Gesellschaft kommt nicht.
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Widmung
Dieses Buch widme ich den vier mir liebsten Menschen:Rieke, Theo, Nela und Oke.
„Ist die kybernetische Gesellschaft eine Utopie, Dystopie oder einfach nur die nächste logische Stufe der menschlichen Entwicklung? Zwischen Theorie und Spekulation, Medienkritik und Metamodernität bleibt diese Frage bewusst offen – und fordert den Leser heraus, seine eigene Position zu finden."
— ChatGPT-4o, Januar 2025
Positioniere dich
01 — Ambivalenz
Die kybernetische Gesellschaft (Stand Januar 2025)
Die kybernetische Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Ambivalenz, des totalen gemeinsamen Fühlens, der mentalen Reize, der Affekte und des permanenten Feedbacks.
Ihre kommunikative Basis ist das distinkte Zeichen und der darauf basierende triggernde Impuls. Ihr angestrebter Bewusstseinszustand ist die Metaebene. Über diese erfolgen kontinuierliche Selbstbeobachtung und Reflexion im endless Loop.
Stattdessen basiert die Wirklichkeit auf medial vermittelten Wahrscheinlichkeiten, die aus der Kombination diskreter Zustände – also Fakten – fortlaufend neu berechnet, konstruiert und durch das kollektive Diskursrauschen der User-Gemeinschaft ausgehandelt werden.
Auf Grundlage dieser Wahrscheinlichkeiten müssen die prozessierenden Subjekte in der Welt agieren und sich sozial sowie politisch orientieren. Alle Mitglieder der kybernetischen Gesellschaft empfangen und verarbeiten unablässig Signale, die sie in komplexen hybriden Operationen zur weiteren Berechnung von Wirklichkeit und Wahrheit nutzen.
02 — Wahrheit
Parallel zum Prozess der Validierung und Verifizierung müssen Störsignale und Rauschen aus dem Informationsspektrum herausgefiltert werden.
Die reibungslose Funktion der kybernetischen Gesellschaft hängt stets von möglichst störungsfreien Signalen sowie authentischen, unverfälschten Informationen ab. Daher gilt Desinformation als großes Problem und Gegner – den man jedoch strategisch zu nutzen versteht.
Als einfache Faustregel gilt: Je mehr übereinstimmende Signale aus unterschiedlichen Quellen empfangen werden, desto wahrscheinlicher erscheint etwas wahr und kann dann als eine Wahrheit markiert werden – eine Wahrheit, die jedoch dennoch immer subjektiv bleibt, weil sie faktisch nicht überprüfbar ist.
03 — Das Zeichen
Alle an dieser techno-sozialen Situation beteiligten Menschen sind vollständig integrierte Sender und Empfänger – jedoch kein Medium. Medien sind rein technologische Artefakte und als integraler Bestandteil der Maschine in das System assimiliert. Die kommunikativen Prozesse selbst sind hybrid und synthetisch, aufgeteilt zwischen Usern und den überwiegend digitalen Systems.
Die heterogen ablaufenden, dezentralen Prozesse sind anspruchsvoll und herausfordernd. Dies macht die kybernetische Gesellschaft zu einer permanenten ästhetischen Verlockung und gleichzeitig zu einer psychologischen Zumutung für die Menschen – aber auch zu einer idealen Laufzeitumgebung für daten- und signalverarbeitende digitale Maschinen und ihre smarten Algorithmen.
Neben dem Medium der Sprache, der Poesie, des Bildes, der Musik und des Films wirken – verstärkt und zunehmend gleichberechtigt – Zeichen, Signale, Daten, Codes und Memes an der Strukturierung mit. Die Informationen werden in Gänze und in real-time von allen an alle neu codiert, gesendet, empfangen und wieder neu interpretiert. So prägen sie die Entstehung gemeinsamer sozialer Narrative und die darauf aufbauenden Wirklichkeiten.
Die autopoietische Imagination der synthetisch vernetzten multidimensionalen Signalverarbeitung durch Mensch und Maschine tritt an die Stelle des menschlichen Autors und der von ihm entwickelten Erzählung. Diese Imagination entfaltet, angetrieben durch hochfrequentes Feedback, eine nie dagewesene, sich selbst verstärkende Dynamik, die sich in Form von Narrativen über globale Datennetze in die Welt ausbreitet. Durch die kybernetischen Techniken ist die Kunst der Politik vollständig ersetzt worden.
Ein prägendes Merkmal der kybernetischen Gesellschaft ist die allgegenwärtige Koinzidenz – das gleichzeitige, aber inhaltlich unverknüpfte Auftreten von Phänomenen, die nebeneinander bestehen, jedoch völlig getrennt bleiben. Die Identifikation von Kausalitäten, die darauf aufbauende Theoriebildung und jegliche Kritik an ehemals politischen Kategorien wie Herrschaft wirken in der kybernetischen Gesellschaft fremd, bedrohlich und verdächtig. Solche Konzepte werden – als eigentümlich faktenlose Konstrukte – als Mythen, Fake News oder Verschwörungstheorien eingeordnet, durch die man sich nicht stören oder gar verunsichern lassen will.
Das führt zwangsläufig zur Atomisierung und schleichenden Auflösung der analogen Realität sowie zum Vertrauensverlust in diese. Besonders deutlich wird dieser Vertrauensverlust in der Hinwendung zu einem tiefen, quasi-religiösen Glauben an Statistiken, empirische Fakten, datenbasierte Wissenschaftssimulationen, komplexe Messwerte, daraus abgeleitete Datenreihen und die darauf basierenden Modelle, die letztlich in magischer Funktion die Wirklichkeit abbilden, um diese als Referenzsystem zu ersetzen.
04 — Content
In der kybernetischen Gesellschaft sind alle Informationen, Zeichen und Symbole immer Signal.
Dies zeigt sich besonders im Wandel der Künste und der damit verbundenen Kultur. Die dort produzierten Inhalte erscheinen als formatierter und formalisierter Content auf den Oberflächen der Screens und zirkulieren anschließend als potenzielle Assets in den digitalen Sphären.
Diese werden sowohl von den Systems als auch von Menschen verarbeitet, rufen psychologische Affekte hervor, aktivieren und deaktivieren soziale Erregungspotentiale und tragen so zur Stabilisierung oder Destabilisierung der Gesellschaft bei. Dieser Prozess unterstützt das fortlaufende Programm des selbstregulierenden Micro-Managements.
Eine solche kybernetische Welt bietet ideale Bedingungen für die Entwicklung von Maschinen, Algorithmen und künstlicher Intelligenz. Diese sind darauf spezialisiert, auf Basis von I/O-Signalen Muster zu erkennen, zu analysieren und entsprechend zu verarbeiten.
Besonders in der sozialen und politischen Analyse der Massengesellschaft wird die KI den menschlichen Akteuren überlegen sein. Denn nur Algorithmen besitzen noch die notwendigen Kapazitäten, um ästhetische Merkmale, Strukturen und Muster aus den gewaltigen Mengen an Daten, Informationen und Signalen herauszufiltern und daraus epistemologisch belastbare Modelle und Strategien abzuleiten. Dies verschafft den digitalen Systems einen erheblichen strategischen Vorteil gegenüber den Menschen, die auf dieser Ebene nahezu blind bleiben – es sei denn, sie sind per Interface direkt an die Datenverarbeitung angebunden und können externe Rechenressourcen integrieren.
05 — Das Netzwerk
Das Internet und die ihm zugrunde liegende Computertechnologie sind natürlicher, immanenter Bestandteil, Grundlage und DNA der kybernetischen Gesellschaft. Über das Netz werden in hoher Geschwindigkeit Signale gesendet und empfangen.
Erfolgreich und durchsetzungsfähig ist in dieser Gesellschaft, wer sich über die Bedeutung der eigenen Signale und ihrer Rezeption im Klaren ist, wer diese kontrolliert und zielgruppenspezifisch einzusetzen weiß und wer diese Faktoren in das eigene Denken und Bewusstsein zu integrieren vermag.
06 — Kybernetik
Eine zentrale, aber aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängte Technokunst der kybernetischen Gesellschaft ist die Kybernetik selbst – also die Wissenschaft von Feedback, Regulierung und Signalverarbeitung.
Kybernetik ist Herrschaftstechnik, mit deren Hilfe sich die Prozesse der Gesellschaft steuern, feinjustieren und regulieren lassen. Wer ihre Funktionsweisen und Mechanismen versteht und zu nutzen weiß, erlangt Macht und Einfluss, ist aber gleichzeitig Gefangener der damit verknüpften Aufmerksamkeitsökonomie. Denn durch diese werden Signale, Reichweite und Feedbackfunktionen in Kapital, also Content, zu Assets transformiert.
Künstlerinnen und Künstler der kybernetischen Gesellschaft erscheinen unter anderem als Influencer oder Aktivisten und entwickeln im Erfolgsfall eine spezifische Virtuosität im Spiel mit den verschiedenen konkreten und subversiven Zeichen sowie den präzise gesetzten Steuerungssignalen, um so die Reaktionen des Publikums nach ihren Vorstellungen zu modellieren.
07 — Der User
Das primäre Subjekt der kybernetischen Gesellschaft ist nicht mehr, wie noch im postfordistisch geprägten Kapitalismus, der Bürger, Konsument und Kunde, sondern der User.
User sind in Bezug auf ihre Eigenschaften alle gleich – nämlich eigentlich eigenschaftslos. Ihre ästhetischen Konturen definieren und gewinnen sie erst durch die Nutzung der kybernetischen, algorithmenbasierten Systems. Sie formen damit die Systeme, die gleichzeitig auch sie formen.
Für die breite Masse ist nicht mehr die Ressourcenallokation über Arbeit, Lohn und Einkommen das zentrale Steuerungsprinzip, sondern die Kontrolle über den Zugang zu Ressourcen und Services: Access Control. Besitz, also Eigentum im klassischen Sinn, sowie autonomer, unlimitierter Zugriff auf Ressourcen sind Privilegien ausgewählter Eliten.
In der kybernetischen Gesellschaft gibt es keine Politik im modernen Sinne und keinen politischen Diskurs. Die kybernetische Gesellschaft oszilliert vielmehr zwischen verschiedenen Wahrscheinlichkeiten und erzeugt dabei unaufhörlich Widersprüche, welche Diskurse simulieren und Erregungszustände hervorrufen – nur damit diese dann innerhalb kurzer Zeit in sich selbst überlagernden Feedbackorgien aufgelöst werden.
08 — Das Jetzt
Die kybernetische Gesellschaft kennt – aufgrund der Absage an den politischen Diskurs, des bewussten Auslöschens der eigenen Historie und der maximal beschleunigten Kommunikation – nur noch das immerwährende JETZT und die daraus resultierende JETZT-Zeit, über die sie nie hinauskommt.
Die kybernetische Gesellschaft ist in Bezug auf das JETZT streng konservativ im wahrsten Sinne des Wortes, denn im JETZT beginnt immerfort aufs Neue eine Zukunft. Und so muss der Zustand des JETZT um jeden Preis erhalten bleiben.
Auf diese Weise kann die Zukunft zwar jederzeit beginnen, sich aber nie in irgendeiner Form entfalten. Und so gibt es für die Zukunft nur zwei Optionen: Entweder kann sie nur noch als dystopische Situation der Bedrohung gedacht und wahrgenommen werden, oder sie präsentiert sich als ein Ort, der sich räumlich ausdehnt, aber das Momentum des aktuellen Augenblicks dabei nicht überwindet. So verbleibt alles immer stabil im Anfang.
Die kybernetische Gesellschaft hat die Verwaltung und Steuerung des JETZT vollständig an Algorithmen übergeben. Die Herrschaft von Menschen über Menschen gilt als überwundener, barbarischer Anachronismus und die Kontrolle der Systems und ihrer User wird effektiver, geräuschloser und präziser, als es jemals ein Mensch tun könnte, durch die künstliche Intelligenz erledigt.
Was einst politische Debatte oder Diskurs war, ist längst zu Content und Stream transformiert – ein Entertainmentprodukt der Bewusstseinsindustrie, in das sich alle Subjekte per Klick, Swipe und Wish einbringen.
Die radikalen politischen Avantgarden dieser Gesellschaft haben die Diskurssimulation und die ausgefeilten Mechanismen der Manipulation verinnerlicht und aus diesem Grund der Teilnahme an Diskursen offiziell eine Absage erteilt, um sich stattdessen auf Basis hochkomplexer Meme-Strategien in die Kommunikation zwischen Usern und Systems einzuklinken. Auf diese Weise tragen sie zum politischen Entertainment bei.
Die Assets fluktuieren durch die synthetische Sphäre zwischen Menschen und Maschinen und bilden den Reichtum jedes Einzelnen, aber auch der Gesellschaft als Ganzes ab. Sie sind elementarer Bestandteil der hochkomplexen Ökonomie der kybernetischen Gesellschaft und bilden die Grundlage der gesamten Ressourcenallokation, die unter Verwendung aller Signale aller User exakt auf deren Bedürfnisse abgestimmt wird.
In dieser Struktur verlieren Verteilungskämpfe zur Sicherung der Subsistenz ihre ursprüngliche Bedeutung – Mangel ist keine relevante Variable mehr im kybernetischen Gleichgewicht – und werden zu einer spielerischen Form der Unterhaltung.
In der kybernetischen Gesellschaft wird nicht nur der Reichtum aller algorithmisch verwaltet – auch das höchste Gut der Menschen, die Aufmerksamkeit selbst, muss als handelbares Asset in die Ressourcenströme integriert werden.
09 — Signale
Die Signale der kybernetischen Gesellschaft setzen sich aus einer Vielzahl von Zeichen zusammen – sie sind nicht zu lesen, sondern zu interpretieren.
Zu diesen Signalen gehören: Direkte Kommunikationssignale wie Likes, Emojis, Posts, Bilder, Videoclips, Memes, Nachrichten, Tweets und Retweets sowie die Quantität und Qualität von Followern.
Statistische Werte aus Wirtschaft und Finanzen, darunter Börsenkurse, Bilanzen, die Wertentwicklung von Derivaten oder Assets sowie makroökonomische Kennzahlen wie Arbeitslosenquote und BIP-Wachstum.
Gesundheits- und Körperdaten, die durch Tracking-Technologien und Gesundheits-Apps erfasst werden, ebenso wie Statistiken zur Entwicklung von Infektionskrankheiten oder zur globalen Temperatur im Kontext der Klimadebatte.
All diese Zeichen formen sowohl die ästhetische Oberfläche als auch die epistemologische Struktur der kybernetischen Gesellschaft. Sie fließen in computergenerierte Modelle ein, die nicht nur zur Erklärung der Gegenwart und zur Prognose künftiger Entwicklungen dienen, sondern vor allem der Legitimation unpopulärer, aber systemstabilisierender politischer Entscheidungen.
Das datenbasierte Weltmodell bildet die Grundlage sämtlicher politischer, sozialer und wissenschaftlicher Entertainment-Debatten. Die Interpretation dieser Modelle und Simulationen ist der Kern einer permanenten Hochgeschwindigkeits-Diskurssimulation.
Das kybernetische Subjekt signalisiert soziale Zugehörigkeit durch das Bekunden von Interessen und Vorlieben oder durch die Unterstützung beziehungsweise Ablehnung bestimmter Sachverhalte und Meinungen. Identität entsteht primär durch Zugehörigkeit und Abgrenzung innerhalb verschiedener Usergruppen. Da gegenseitige Observation und Selbstbeobachtung zentrale Strukturelemente der Gesellschaft sind, ist Transparenz ein essenzieller Faktor der kybernetischen Ordnung. Für die selbstreflektierende Analyse ist es entscheidend zu wissen, wer mit wem in welcher Weise verbunden ist, wer welche Aktivitäten ausführt und wer an welchen Ereignissen teilnimmt.
Die daraus entstehenden Verbindungsdaten dienen als Analyseinstrument – nicht nur für die User selbst, sondern vor allem für die Steuerungs-KI. Sie entwickelt auf Basis dieser Daten abgeleitete Strategien und implementiert sie in den sozialen Raum.
Zur erfolgreichen automatisierten digitalen Kontrolle, zur Stimulanz und für eine mögliche Steuerung der kybernetischen Gesellschaft braucht es möglichst viele wertvolle Metadaten, die Rückschlüsse auf Quantität und Qualität der Verbindungen zwischen den einzelnen Subjekten zulassen.
Rationales, deterministisch nachvollziehbares und vorhersehbares Handeln sowie das algorithmenbasierte Prozessieren der darauf basierenden Signale und Modelle sind der gewünschte Modus Operandi dieser Bewusstseinsindustrie. Ihr Anliegen ist es, die Gesellschaft möglichst reibungslos zur Zufriedenheit aller zu regeln und die Ressourcenallokation zwischen den Akteuren effizient zu managen.
Deshalb strebt die kybernetische Gesellschaft fortwährend nach maximaler Optimierung – in Daten, Signalen und Algorithmen. Diese Optimierung basiert auf der permanenten Auswertung und Neugewichtung eines endlosen Streams von Feedback-Signalen, mit denen sich das Gesamtsystem in jeder Mikrosekunde selbst reguliert und neu kalkuliert.
Die angestrebte Berechenbarkeit der Situation führt jedoch unweigerlich immer wieder zu Verhärtungen innerhalb der sozialen Prozesse, die regelmäßig disruptiert werden müssen, um die endlose Dynamik der kybernetischen Gesellschaft nicht zu gefährden.
10 — Energie
Da die Gesellschaft zwar hochkomplex, aber durch ihre Berechenbarkeit letztlich doch weitestgehend deterministisch organisiert ist, braucht es eine Quelle neuer Impulse – diese ist das menschliche Unbewusste.
Während sich die technologischen Systems über Rückkopplungsschleifen regulieren, geschieht dasselbe auf individueller Ebene durch spirituelle Praktiken. Meditation, Traum und Mythos werden so zu unsichtbaren Feedbackmechanismen, die sowohl Unterbewusstsein als auch Bewusstsein modulieren und damit die Gesellschaft als Ganzes transformieren.
Physische und psychische Energie bilden das Fundament der kybernetischen Gesellschaft – sei es als Signal, Feedback oder Informationsfluss. Doch mit der fortschreitenden Integration von Mensch und Maschine zeigt sich, Energie existiert nicht nur als berechenbarer Strom, sondern auch als dynamisches Informationspotenzial, das Prozesse steuert und formt.
Die ephemeren Kräfte des Unbewussten, die Resonanzen spiritueller Praxis und die mythologische Aufladung von Narrativen werden zunehmend als gleichwertige, wenn nicht gar essenzielle Parameter der Systemdynamik anerkannt.
Die User sind die Schnittstelle, die das impulsive Element der unendlichen Kraft des Unbewussten mit den digitalen Rechensystemen verbindet. Aus dieser Kraft wird die disruptive Energie gezogen, mit deren Hilfe sich die gesamte Struktur immer wieder erneut transformiert und konfiguriert.
Der Weg von Energie und Informationen ist dabei stets bidirektional: Was als Output ausgelesen wird, wird durch Mensch und Maschine prozessiert und an anderer Stelle über die Interfaces als Input wieder eingespeist – und umgekehrt.
Und so rücken mit der immer weiter voranschreitenden Integration von Mensch und Maschine die mystischen Vorgänge des Unbewussten und des Unterbewusstseins, des Metaphysischen und die Energien der Spiritualität immer stärker in den Fokus der Subjekte. Für sie locken die Versprechen nicht-deterministischer Konstellationen und die damit verbundene stetige kreative Modifikation des eigenen Selbst und des bestehenden Status quo.
Darüber hinaus offenbart sich eine tiefe Wechselwirkung zwischen der messbaren Ordnung der digitalen Systems und den nicht berechenbaren Energien des menschlichen Geistes. Die kybernetische Logik und das spirituelle Prinzip erscheinen dabei nicht als Gegensätze, sondern als komplementäre Strukturen innerhalb eines hochdynamischen synthetischen Netzwerks.
Das sich regelnde System existiert dabei in steter Symbiose mit den nicht kybernetisch integrierbaren Elementen oder den nicht regelbaren Bestandteilen der analogen onirischen Subsysteme der User.
Dieses steht dann für neue fantastische Spekulationen bereit, mit Hilfe derer sowohl die Individuen als auch die Gesellschaft als Ganzes kontinuierlich investieren, expandieren und die eigene Evolution vorantreiben.
Ende der Kybernetischen Gesellschaft
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Ausgewählte Projekte aus 25 Jahren an den Schnittstellen von Kunst, Theorie, Code und digitaler Architektur – parallel zu dem Text, den du gerade gelesen hast.
Elf Kapitel – von Ambivalenz bis Metamodernismus. Verwende den Inhalt-Button in der Navigationsleiste, um von überall auf der Seite zu einem Kapitel zu springen.
Über
Florian Kuhlmann (geb. 1974 in Amsterdam) arbeitet seit über 25 Jahren an den Schnittstellen von menschlichem Bewusstsein, Technologie und Simulation. Seine Praxis bewegt sich zwischen Kunst, Theorie und digitaler Architektur.
In seiner Arbeit untersucht Kuhlmann, wie digitale Infrastrukturen Wahrnehmung, Identität und soziale Organisation neu formen. Konzepte wie die kybernetische Gesellschaft, Metamodernismus, künstliche Intelligenz und entstehende Ökonomien bilden zentrale Bezugspunkte seines künstlerischen und theoretischen Rahmens.
Er verbindet medientheoretische Reflexion mit digitalen und netzbasierten Formaten – von HTML-basierten Webarbeiten und generativen Systemen bis hin zu NFT- und Blockchain-Projekten. Seine Arbeiten erkunden Feedback-Schleifen, Tokenisierung, symbolische Systeme und die Transformation politischer und kultureller Prozesse in der digitalen Sphäre.
Mit seinem Buch Die Kybernetische Gesellschaft formuliert Kuhlmann eine theoretische Verdichtung dieser Praxis und positioniert Kunst als experimentelles Feld für entstehende gesellschaftliche Modelle.
„Hi, ich bin Florian Kuhlmann – ein kreativer Kopf, Nerd, Programmierer und Künstler aus Düsseldorf. Ich gehöre zur letzten Generation, die sich noch an das Leben vor Computern, Internet und Smartphones erinnert."